| Rhythmen im Wachsein und Schlafen - ein Beitrag zur Chronohygiene >> Referat |
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Prof. em. Prof. Dr. med. Karl Hecht; Stress-, Schlaf-, Chrono- und Raumfahrtmedizin, Member of International Academy of Science, Member of International Academy of Astronautic, Mitglied der Russischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Für den Menschen ist der Tagesrhythmus und in ihm der rhythmisch gegliederte Schlaf ein lebenswichtiger Schwingungsvorgang. Der circadiane Rhythmus, der real in allen Körperfunktionen (von der molekularen Regulationsebene bis zur ganzheitlichen Regulation) vorkommt, steht in Verbindung mit der Erdumdrehung von 24 Stunden. Bei diesem 24-Stunden-Rhythmus gibt es eine evolutionäre Besonderheit, die unbedingt zu beachten ist. Das hat J. Aschoff [Aschoff 1973, 1971a und b, 1966, 1963] in seinen Bunkeruntersuchungen in Andechs bei München aufgedeckt. Sobald sich die Menschen im Bunker, ohne Zeitbeziehung, d. h. ohne Sonnenlicht, ohne Uhr, ohne irgendwelche Taktgeber von Außen befanden, konnte mit objektiven Messungen, z. B. der Körpertemperatur, und auch subjektiv (Protokollierungen) ein 25-Stunden-Rhythmus nachgewiesen werden. Wenn diese Menschen wieder den natürlichen Bedingungen außerhalb des Bunkers ausgesetzt waren, stellte sich wieder ein 24-Stunden-Rhythmus ein. Dieses Phänomen wurde zwischenzeitlich an ca. 1.000 Menschen nachgewiesen [Zulley und Knab 2000]. Es wird dazu folgendes Erklärungsmodell gegeben. Vor ca. 350 Millionen Jahren, als das Leben auf der Erde entstand, hatte das Jahr 400 Tage und der Tag 25 Stunden. In dieser Zeit wurde der Rhythmus der Erdumdrehung in die Funktion des entstehenden Lebens „eingraviert“, also eingeprägt. Seit dieser Zeit haben sich die Erdumdrehung und somit das Jahr und der Tag zeitlich verändert, d. h. verkürzt. Deshalb tragen wir in uns noch das Engramm des 25-Stunden-Rhythmus, der immerzu auf den 24-Stunden-Rhythmus der heutigen Erdumdrehung neu justiert werden muß. Dies geschieht durch die Zeitgeber
Diese Zeitgeber-Justierungsfunktion ist ein Vorteil für alle Lebewesen, quasi ein Geschenk der Natur, weil die Menschen flexibler in der Adaptation an Veränderungen der Umwelt geworden sind. Der circadiane (24-Stunden) Rhythmus ist immer an die Ortszeit gebunden, in welcher der Mensch sein Leben verbringt. In der ersten Lebenszeit eines Kindes wird durch die Zeitgeber der 24-Stunden-Rhythmus der Körperfunktion ausgebildet [Hellbrügge 1977], quasi konditioniert. Durch dieses „Geschenk der Natur“ sind wir aber auch sehr „naturverbunden“, vor allem mit dem natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus und mit dem Rhythmus der Magnetosphäre, des Magnetfelds der Erde, in dem das Sonnenlicht der dominierende Faktor ist. Wir sind aber auch gegen künstliche Störungen sehr empfindlich. Wenn wir wider dieser Naturzeitgeberfunktion leben, kommt es zu Störungen in der gesamten Regulation. Das spürt schon jeder, der einige Zeitzonen überfliegt und am Jetlag-Syndrom mit folgenden Symptomen leidet:
Wenn die Anpassung an die Ortszeit erfolgt ist, dann verschwinden diese Symptome wieder. Welche Folgen das Jetlag-Syndrom für Geschäftsleute haben kann, zeigt folgendes Beispiel [Scheppach 1996]. Leistungstest bei amerikanischen Geschäftsleuten. Vor dem Start wurde ein Test durchgeführt. Es mußten zweistellige Zahlen voneinander subtrahiert bzw. miteinander multipliziert werden. Nach dem Flug vorn New York über Rom nach Manila (Philippinen) wurde erneut getestet. Keiner der sonst cleveren Manager war fähig, zweistellige Zahlen im Kopf zusammenzuzählen. Sie hatten aber den Auftrag, unmittelbar nach der Ankunft, schwerwiegende Finanzverhandlungen zu führen. Diese konnten von den genannten Finanzexperten nicht bewältigt werden, weil das stark stressende Jetlag-Syndrom sie handlungsunfähig machte. Die Lebensweise gegen die innere Uhr ist eine Lebensweise gegen die Natur. Diesen Fakt müssen wir erkennen und anerkennen. Ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus zieht stets auch eine Qualitätsverminderung des Schlafs mit sich, womit die Erholsamkeit ausbleibt. Da im Schlaf das Immunsystem reproduziert wird, ist ein gestörter Schlaf ein Risikofaktor für viele Erkrankungen. Bei gestörtem Schlaf bzw. anderen chronischen Beschwerden sollte stets die erste therapeutische Maßnahme die Wiederherstellung des Schlaf-Wach-Rhythmus sein. Diese Therapie wendete übrigens Hippokrates schon vor 2.400 Jahren an. Es werden Ergebnisse einer rhythmischen Schlaftherapiekur (21 Tage) vorgestellt, welche die Therapie von Hippokrates bestätigen und den Hinweis geben, daß die Chronohygiene ein wichtiger Faktor für die Erhaltung und Wiederherstellung des Schlaf-Wach-Rhythmus darstellt. In dieser rhythmischen Schlaftherapiekur kann auch die PERTH-Magnetmatte den ihr gebührenden Platz finden. |